Hören Sie Ihren Patienten zu!

28. April 2017

Die Zufriedenheit des Patienten ist letztlich eines der grundlegenden Ziele der zahnmedizinischen Versorgung. Trotz geringer Komplikationsraten auch bei komplexen und aufwendigeren Eingriffen zeigt sich in der dentalen Implantologie inzwischen ein klarer Trend hin zu minimalinvasiven Techniken. Neue Ausdrücke wie PCO (patient-centered outcome) und PRO (patient-reported outcome) machen die Runde als neue Parameter für die Beurteilung des Behandlungserfolgs. Die Einbeziehung der Patientenmeinung in die Therapieentscheidung nach ausführlicher Aufklärung über alle Behandlungsoptionen als „shared decision making“ gilt nicht zuletzt aufgrund rechtlicher Verpflichtungen mittlerweile als State of the Art. Der Patient mit seiner gesundheitlichen und auch ökonomischen Gesamtsituation rückt in den Mittelpunkt.

Priv.-Doz. Dr. Bernhard Pommer
Priv.-Doz. Dr. Bernhard Pommer

pip sprach mit Priv.-Doz. Dr. Bernhard Pommer von der Akademie für orale Implantologie, Wien, der sich seit Jahren wissenschaftlich mit der Patientenmeinung zu implantologischen Eingriffen befasst.

pip: Für die Konsensus-Konferenz der F.O.R. (Foundation for Oral Rehabilitation) 2014 haben Sie einen Übersichtsartikel zum Thema Patientenzufriedenheit mit der minimalinvasiven implantologischen Versorgung zahnloser Kiefer verfasst. Was haben Ihre Ergebnisse gezeigt?

Dr. Pommer: Eine Analyse von 37 publizierten Studien mit insgesamt 5766 Zahnimplantaten ergab eine deutliche Präferenz der Patienten für minimalinvasive chirurgische Techniken, durch die zusätzliche Knochenaufbau-Operationen vermieden werden können. Kurze und durchmesserreduzierte Implantate zeigten eine hohe Patientenzufriedenheit, am beliebtesten waren mit 91 % jedoch computergestützte Implantationseingriffe und mit 94 % eine abgewinkelte Implantatpositionierung im Sinne der All-on- 4-Technik.

pip: Wodurch ist der dramatische Unterschied in der subjektiven Patientenzufriedenheit bei All-on-4-Behandlungen zu erklären?

Dr. Pommer: Die Vermeidung von herausnehmbarem Zahnersatz ist ein wichtiges Thema für unsere Patienten, die gleichzeitige Implantation bei Extraktion der nicht erhaltungswürdigen Zähne ist jedoch auch hinsichtlich der postoperativen Beschwerden vorteilhaft. Eine aktuelle Studie an der Implantatakademie Wien konnte zeigen, dass trotz sofortiger Umstellung auf implantatgetragenen Zahnersatz der Großteil aller Patienten bereits am zweiten postoperativen Tag schmerzfrei war. Selbst am Tag der Implantation klagten nur 4 % der Patienten über eine merkliche Schwellung oder größere Schmerzen im Unter- und 8 % im Oberkiefer.

pip: Worauf ist eine zögerliche Haltung mancher Patienten dann zurückzuführen?

Dr. Pommer: Unsere Umfrage aus dem Jahr 2014 zeigte eindeutig, dass vor allem die Notwendigkeit einer Knochentransplantation viele Patienten abschreckt. Nur 23 % sind bereit, sich einer aufwendigen Zweitoperation zu unterziehen, um das Knochenlager vor der Implantation aufzubauen. Gerade hier kann das All-on-4-Konzept mit Sofortimplantaten ohne Knochenaufbau punkten. Höchste Priorität bei den Patienten hat jedoch der sichere Behandlungserfolg, gefolgt von der Vermeidung herausnehmbarer Prothesen und von Behandlungsdauer bzw. -kosten.

pip: Nun ist All-on-4 kein Konzept für Generalisten oder implantologische Einsteiger …

Dr. Pommer: Wenn die Restbezahnung eines Patienten am gleichen Tag extrahiert, durch Sofortimplantate ersetzt und mit einem festsitzenden Provisorium wiederhergestellt werden soll, fordert dieser komplexe Behandlungsablauf freilich Können und Flexibilität von Chirurg, Implantatprothetiker und Zahntechniker. Eine reibungslose und eingespielte Kooperation ist sehr wichtig, um dem Patienten eine sofortige und angenehme Umstellung innerhalb eines Tages zu ermöglichen. Unsere repräsentative Umfrage aus dem Jahr 2011 ergab aber eindeutig, dass sich Patienten für Implantationseingriffe sowieso gerne in die Hände eines Spezialisten begeben.

pip: All-on-4 war über längere Zeit nicht unumstritten. Warum hat das Konzept der Firma Nobel Biocare nun doch vielerorts Nachahmer gefunden?

Dr. Pommer: Es war sicher viel Vorarbeit notwendig, um All-on-4 als dokumentiertes Verfahren zu etablieren und Nobel Biocare hat nach langer Forschung- und Entwicklungsphase auch qualitative klinische Studien vorzuweisen, die den Erfolg dieser Technik mit wissenschaftlicher Evidenz untermauern. Das Erfolgsrezept von All-on-4 basiert zum einen auf den finanziellen Ersparnissen im Vergleich zu Knochenaufbauoperationen. In unseren Umfragen werden die hohen Kosten immer noch als größter Nachteil der Implantattherapie genannt. Aus Sicht der Patienten spricht aber vor allem die geringere Dauer und Anzahl der operativen Eingriffe und die komplikationsarme und rasche Abheilphase für die All-on-4-Technik. Stehen bei komplexen Problemen mehrere mögliche Therapieansätze zur Diskussion, rate ich meinen Patienten immer zur langfristig den meisten Erfolg versprechenden und gleichzeitig schonendsten Lösung – also zu jenem Vorgehen, dass ich in dieser Situation auch selbst wählen würde.

pip: Herr Dozent Pommer, wir danken Ihnen für das interessante Gespräch!

Quelle: pip 2-2017

Hier können Sie den kompletten Artikel als .pdf herunterladen.

Wollen Sie mehr über das All-on-4 Behandlungskonzept erfahren? Besuchen Sie die beliebte 2-tägige Fortbildung an der Akademie für Orale Implantologie in Wien „Moderne Implantologie – Der Patient im Fokus“! Es stehen 2017 zwei Termine zur Auswahl. Für mehr Infos hier klicken.

Weitere Vorträge bzw. Hands-on Workshops erwarten Sie auch auf unseren Regionenveranstaltungen!

 

>> Zum Programm Weggis
>> Zum Programm Saalfelden
>> Zum Programm Warnemünde

 

Nächster Beitrag

Das Trefoil Konzept: Genesis eines Projekts


* 3. Mai 1929 in Göteborg, Schweden; † 20. Dezember 2014 ebenda Am heutigen Tag jährt sich der 88. Geburtstag von Professor Per-Ingvar Brånemark. Voller Bewunderung gedenken wir […]

Weiterlesen


Vorheriger Beitrag

Nobel Biocare und KaVo Kerr stellen vor: DTX Studio™ – eine digitale Plattform für alle Aspekte der Zahnbehandlung


Auf der diesjährigen Internationalen Dental-Schau (IDS) in Köln präsentierten wir gemeinsam mit den KollegInnen von KaVo Kerr das Glanzstück unserer […]

Weiterlesen


 https://www2.nobelbiocare-news.de/wp-content/uploads/2017/06/NobelBiocarelogoforprintcmyk_r.png

Geschätzte Kunden und Medienpartner, liebe KollegInnen!

Herzlich Willkommen auf dem NewsBlog von Nobel Biocare D-A-CH (Region Deutschland-Österreich-Schweiz).

Mehr Patienten noch erfolgreicher zu behandeln und dadurch ihre Lebensqualität zu verbessern ist das erklärte Unternehmensziel von Nobel Biocare. Dazu gehören unsere leistungsfähigen Produkte ebenso wie der stete Wissenstransfer bzw. Wissensaustausch. Das umfassende Fortbildungsprogramm von Nobel Biocare sowie regelmäßige Veranstaltungen erfüllen diesen Zweck in traditioneller Art und Weise. Nobel Biocare Region Deutschland-Österreich-Schweiz geht einen Schritt weiter: Der hiesige NewsBlog steht ganz im Sinne des Informationsaustausches und der Aktualität. Hier kommen Sie, werte Kunden und Medienpartner, zu Wort. Eine Mischung aus Fallberichten, Interviews, Veranstaltungsankündigungen bzw. -nachberichten inklusive der Bildergalerien lassen den Informationsaustausch lebhaft werden. Jeden Freitag halten wir Sie mit einem neuen Beitrag auf dem Laufenden. Abonnieren Sie am besten gleich jetzt den Blog-Newsletter und bleiben Sie informiert!

Besuchen Sie auch unsere Nobel Biocare Website und finden Sie dort die umfängliche Präsentation aller Produkte sowie einen großen Fundus an Demo- bzw. klinischen Videos sowie Referenzen zu Wissenschaft und klinischen Studien.

Sollten Sie ein Thema auf unserem NewsBlog vermissen oder selbst gerne einen Fallbericht verfassen, so würden wir uns über Ihre eMail sehr freuen. Schreiben Sie uns Ihre Ideen und Wünsche an zorica.markovic@nobelbiocare.com

Wir freuen uns auf Sie!

Im Namen des Teams Nobel Biocare D-A-CH herzlich Ihre,
Zorica Markovic